Wo früher die Neutronen kreisten


Am 14. Juni 2000 wurde zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen in Deutschland eine Vereinbarung getroffen, die die weitere Nutzung der in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke regelt.
Der geplante Ausstieg aus der Kernkraftstromerzeugung bedeutet, daß in Deutschland noch etwa 30 Jahre lang Kernkraftwerke in Betrieb sein werden. Darüber hinaus müssen aber mindestens noch 40 Jahre nach Abschaltung des letzten Kernkraftwerkes große Mengen von hochradioaktiven Reststoffen gesichert zwischengelagert werden.

Aufgrund von Vorschlägen der Mitglieder des VSIR organisierte der Vorstand eine Exkursion mit dem bewährten Busunternehmen Warnow Reisen Rostock am 07.01.2004 zum stillgelegten Kernkraftwerk Lubmin (bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern). Jetzt unter dem Namen Energiewerke Nord GmbH (EWN) firmierend bietet das Unternehmen in seinem Informationszentrum allen mit der Kernenergie zusammenhängenden Problemen und Fragen einen umfassenden Einblick.

Schon bei der Anfahrt ließ sich die Größe der Anlage erahnen, denn allein das Maschinenhaus hat eine Gesamtlänge von 1200 m. Das Kernkraftwerk bestand aus 8 Blöcken mit jeweils einem Reaktor, von denen jeder eine elektrische Bruttoleistung von 440 MW erzeugen konnte. Zum Abschaltungszeitpunkt im Jahr 1990 befanden sich die Blöcke 1 bis 4 im Leistungsbetrieb, der Block 5 in Probebetrieb und die Blöcke 6 bis 8 in unterschiedlichen Ausbaustufen.

Im Informationszentrum wurden wir von den zuständigen EWN-Vertretern Herrn Bienert und Herrn Hetzel begrüßt.
In einem sehr interessanten Vortrag wurden wir, visuell unterstützt, über die Entwicklung des Standortes seit 1967 (Beginn der Geländeerschließungsarbeiten) bis heute und die Aufgaben und Ziele des Unternehmens EWN informiert. Die Schwerpunktaufgaben heute sind:

Die Abbauarbeiten begannen 1996 und werden nicht vor 2012 beendet sein.

Von besonderen Interesse waren für uns natürlich die Erläuterungen über die Wärmeerzeugung in den Reaktoren, deren technischer Aufbau und Wirkungsprinzipien sowie die Einrichtungen und Ausrüstungen der aktiven und passiven Sicherheit des Strahlenschutzes. Interessant ist auch die Tatsache, daß der Anteil des KKW 11% an der Energieversorgung der ehemaligen DDR betrug, der nach der Wiedervereinigung durch den Abbau der energieintensiven Industrie nicht mehr benötigt wurde.

Anschließend führten uns die EWN-Mitarbeiter in Gruppen durch die gesamte Anlage des Blockes 6, der speziell dafür hergerichtet worden ist. Wir sind aus unserer Berufspraxis an Bord einiges gewohnt, aber die hier zu sehenden Dimensionen der Anlagenteile und Sicherheitseinrichtungen ließen uns doch erstaunen, wie z.B. die Reaktor-Kühlwasserumwälzpumpen, die eine Höhe von 2 Stockwerken hatten. Unterstützt wurden die detaillierten Ausführungen der EWN-Mitarbeiter von Prinzipzeichnungen und Bildern, die überall aufgestellt waren. Natürlich entwickelte sich beim Rundgang eine sehr angeregte Fachdiskussion, so daß die vorgesehene Besichtigungszeit überzogen wurde. Die Krönung war ein Blick in den "Ofen", der von unserem Vereinsmitglied Herrn Langguth sogar zum Einstieg in den Reaktor genutzt wurde, wie die Fotos vom Innern des Reaktors beweisen.

Nach der Mittagspause in der (übrigens sehr gepflegten) Werkskantine, hatten wir dann die Gelegenheit, uns im Ausstellungsraum des Informationszentrums Modelle, Anschauungstafeln und Originalteile der KKW-Anlage, unterstützt durch weitere Erläuterungen der EWN-Mitarbeiter, anzusehen. Der ausgestellte Brennstab in Originalgröße fand unser besonderes Interesse. Sehr viele Broschüren über die verschiedenen Thematiken und Probleme der Kernenergietechnik standen zur Mitnahme zur Verfügung.
Zum Abschluß der Veranstaltung fanden wir uns noch einmal zusammen, bei dem offen gebliebene Fragen und Probleme, wie z.B. "was geschah in Tschernobyl", diskutiert wurden.

Wir bedanken uns beim Unternehmen EWN und besonders bei den Herren Bienert und Hetzel, die mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit einen Beitrag zum besseren Verständnis für das mit vielen Vorurteilen und Tabus behaftete Thema "Kernenergie" leisten.

Helmut Köstler / Ralf Griffel

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Der Vortrag

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Unterhalb des Damperzeugers

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Blick in den Ofen

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Die Brennstabkammer



Dipl.-Ing. Ralf Griffel / webmaster@vsir.de / 12.02.2004